Magdeburg Olvenstedt – Plattenviertel für das große Erlebnis

 

Einige Zeit meines Lebens verbrachte ich ja wie man hier schon erfuhr in Magdeburg. Etwas, dass einen dort nie loslässt, ist der soziale Brennpunkt Olvenstedt. Er ist am Rande der Stadt gelegen und ich besuchte ihn deshalb nur einmal, dafür aber hier ganz ausführlich. Eigentlich hört man in Magdeburg jeden Tag in irgendeinem Gespräch diesen Namen fallen:
Olvenstedt.

Was ist das eigentlich? Ist es ein Ortsteil, ist es hier ein Synonym für alles Schlechte? Olvenstedt tritt selten in einer positiven Verbindung auf, außer man redet vielleicht über das Kaufland in diesem Ortsteil. Das soll nämlich die allergrößte Auswahl im Raum Magdeburg haben und dazu noch die hübschesten studentischen Hilfskräfte. Eine andere positive Eigenschaft dieses Ortes verbindet sich mit dem Thema Finanzen. Man beschreibt sie in €/m². Es sind die Mieten. Neben unfassbar niedrig und unglaublich niedrig gibt es auch noch den Ausdruck „mörderbillig“ für ihren Wert. Eines müden Abends fassten nun ich und mein damaliger Mit- Haus- Bewohner den Entschluss einen Abstecher
in dieses Sagenumwobene Viertel zu machen. Da wir gehört haben, dass es dort eine erhöhte Anzahl an Alkoholabhängigen geben soll, nehmen wir uns ein paar Bier mit, um im schlimmsten anzutreffenden Fall nicht weiter aufzufallen.

Als passendes Verkehrsmittel um nach Olvenstedt zu gelangen empfehle ich die Straßenbahn. Ab der Haltestelle Damaschkeplatz kann man die Linien 3 und 4 in Richtung Olvenstedt nutzen. Warum ich die Straßenbahn empfehle? Diese ist ein öffentliches Verkehrsmittel. Man hilft also mit ihrer Benutzung die Umwelt zu schonen und gleichzeitig trifft man die gesamte Öffentlichkeit in einem solchen Gefährt. Spätestens ab der Haltestelle wird die Siedlungsdichte so gering, dass nur noch Leute aus Olvenstedt in der Bahn sitzen, da in diesem Ortsteil die Besiedlungsdichte sehr hoch ist. In diesem Fall geht ja nichts über ein gepflegtes Vorurteil, doch jeder soll sich selbst seine Urteile oder Vorurteile bilden. 10min Fahrtzeit sind jedoch nicht für gesamtheitliche Urteile gedacht, sondern nur für ein kurzes erkunden der Materie. Die Straßenbahnfahrt läuft im Gegensatz zu einer Autofahrt auch sehr ruhig und stressfrei ab und man ist unabhängig von der Verkehrslage. Einzig eine Gruppe lauter Jugendlicher könnte einem einen Strich durch die Rechnung machen. Doch diese erlebt man eher auf der Fahrt in Richtung der Innenstadt, da Olvenstedt nicht gerade dafür bekannt ist, dass dort das Leben im Sinne von vielen Partys tobt.

Wir nahmen an diesem Abend die Endhaltestelle zum Beginn unserer Tour. Dort gab es auch schon das erste Highlight zu sehen. Einen alten Imbiss, vielleicht war er früher einmal Verkaufsstelle für Fahrkarten. Also einen sehr kleinen quadratischen Bau mit einem Dach, das mit Dachpappe vor Regen schützt und einigen Männern davor. Jeder der Männer zeichnet sich dadurch aus, dass er ein Sternburg Bier in der Hand hält, eine Sportjacke trägt, unrasiert ist und sein Fahrrad dabei hat. Dieser Imbiss hat aber nicht nur solch abschreckende Dinge zu bieten, sondern auch eine Besonderheit, die es wahrscheinlich nur hier gibt: Fischdöner. Unglaublich aber wahr, dort gibt es etwas, das mir zuvor noch nie angeboten wurde. Am spannendsten finde ich die Pausenmöglichkeit für den Mitarbeiter. Neben einer Stahltür, auf der ein riesiger Jägermeister Aufkleber prangt, steht ein weißer Plastikstuhl. Wie aus dem Baumarktbilderbuch stet er dort und erfreut sich seines Daseins. Nach dieser äußerst wertvollen Imbissbude versuchen wir weitere Attraktionen des Viertels zu erkunden.

Dabei versuchen wir tiefer in die dicht stehenden Platten einzudringen, bemerken allerdings erst einmal riesige Grünflächen, die sich vor uns erstrecken. Diese bilden im Abendlicht ein herrliches Bild. Direkt dahinter sieht man jedoch schon den
Wahnsinn der DDR Baukunst.

Mehr folgt….

 

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