Wenn man den ganzen Winter in Bordeaux verbringt, sehnt man sich doch ein wenig nach Schnee. Um diesen zu sehen, begab ich mich in die Ostschweiz und zwar nach Zürich um dort Annett zu besuchen. Ein umfangreiches Programm stand die Woche über an und wollte ausgefüllt sein. Kleine Vorbemerkung: Ich habe meine Reiseführer für den Trip erst in Zürich selbst gekauft, einige könnte man sich allerdings auch selbst vorher besorgen. Ein ganz besonderer Reiseführer ist allerdings der Kreislauf 4+5, welchen es nur in den Buchhandlungen Zürichs für 9,50 CHF zu kaufen gibt.

Am ersten Tag nach meiner Ankunft beschäftigte ich mich damit, einige Besorgungen zu machen. Reiseführer kaufen, Rivella en masse besorgen, im Fermo Market Gemüse und Obst einkaufen und im Globus einige Bio-Produkte für ein gutes Mittagessen einkaufen. Weiterhin kaufte ich die Zürich CARD. Mit dieser kann man 24 oder 72 Stunden lang das gesamte öffentliche Nahverkehrssystem nutzen und hat zusätlich freien Eintritt in fast alle Museen der Stadt, was man an den nachfolgenden Berichten bemerken wird. Nachdem ich bei all meinen Einkäufen die Züricher Innenstadt ein wenig betrachten und kennen lernen konnte, ging der Abend mit einigen „Insidern“ zu Ende. Zuerst gab‘ es im Sternengrill eine leckere Wurst mit Pommes, danach im Rosalys die Cheap Monday Cocktails.

Der Dienstag begann für mich mit einer Ausstellung im Helmhaus von Marc-Antoine Fehr und Andrea Heller. Die beiden präsentierten vollkommen unterschiedliche Kunst. Die Ausstellung des hier erstgenannten Künstlers umfasste große Ölgemälde, mit Motiven, die von einer traurigen Clownpuppe über Schiffe zu einem Atelier mit vielen Puppen und surrealen Objekten reichten. Hierbei faszinierten die Ausstellungsräume, weil sie komplett in weiß gehalten waren, inklusive des Bodens, dessen weißes PVC die Bilder reflektierte. Im OG fand sich dann die Reihe unendliche Landschaften, welche in einem ovalen Raum in 10 Reihen angebracht waren, so dass man im Kreis laufend 10 Landschaften auf Gouchen gemalt erleben konnte. Andrea Heller präsentierte hingegen sehr abstrakte Kunst, die jeder gern für sich kennen lernen kann und welche ich hier nicht weiter ausführen werde.

Nach einem kurzen Shoppingaufenthalt bei H&M und Zara stand das Haus Konstruktiv auf dem Plan. Die hier gezeigte Ausstellung von Nelly Rudin konnte mich leider nur wenig beeindrucken. Die großen Plastikelemente, die hier gezeigt wurden, waren sowohl in ihrer Farbgebung, als auch in ihrer Form weniger interessant. Eher konnten mich dann schon die Glasbausteine mit kleinen Farbelementen begeistern, welche als Prismen unglaublich interessante optische Täuschungen ergaben. In der letzen Etage ist außerdem noch der Rockefeller Dining Room von Fritz Glarner zu sehen. Im kubistischen Stil der einen stark an Mondrian erinnert, wurde ein gesamter Speisesaal für diese ultrareiche amerikanische Familie gestaltet. Sowohl Wände als auch Decken wurden dafür vom Künstler bemalt und teilweise als Einzelelemente im Raum angebracht. Danach begaben wir uns gemeinsam in die Nähe der Langstraße, um im Casablanca einen Café zu trinken, im Freitag Reference Store die neue Kollektion zu bewundern und in vielen kleinen Läden im Kreis 5 zu stöbern. Der Abend endete sehr ruhig im Spheres. Dieses Lesecafé findet man auch im Phaidon Guide. Es ist ein ruhiger Ort, der sich dank des „Fragenbuches“ zu einem spannenden Platz für uns entwickelte. Man sollte nur nicht zu lange zu zweit darin blättern, sonst könnte man sich wie ein altes Ehepaar fühlen.

Mein Mittwoch
begann mit dem Schweizer Nationalmuseum. Neben Sonderausstellungen besah ich hier insbesondere die Münzsammlung, die Geschichte der Schweiz und die sehr interessante Möbelsammlung. Das Museum gefiel mir aufgrund des Sparens mit Text und der gemütlichen Sitzecken, in denen man sich über Computer oder Bücher selbst weiteres Wissen aneignen konnte. Die Geschichte der Schweiz erklärt zu allererst die Wichigkeit von Einwanderen in diesem Land, z.B. Nestlé oder Calvin. Die Möbelsammlung zeigt gleichzeitig moderne Ideen aus Schweizer Werkstätten mit Stuben aus der Renaissance. Dies verschafft eine gute Abwechslung und gibt einen Gesamteindruck von dem, wofür die Schweiz steht. Die Fotoausstellung „C’est la vie“ läuft nicht mehr so lang und ist für Schweizer sehr spannend, da Pressefotos zu wichtigen Ereignissen aus den letzten 40 Jahren gezeigt werden, welche die neueste Geschichte der Eidgenossenschaft illustrieren.

Im Café Noir kann man dort selbst gerösteten und gemalene Spezialitäten genießen. Es liegt nur ca. 7 min Laufweg vom Museum entfernt in direkt im Szenebereich des Kreises 4. Das Café eignete sich hervorragend um den Bericht für mein Museumstagebuch zu schreiben. Darauffolgend begab ich mich zusammen mit Annett ins Kunsthaus Zürich. Das Kunsthaus ist ein großartiges Kunstmuseum mit gut aufgeteilten und gestalten Räumen. Wir beschränkten uns hier auf die Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts. Mich beeindruckte vor allem die Auswahl an Künstlern, die einem hier geboten wird. Jeder Künstler der neueren Geschichte ist mit mindestens einem Werk vertreten. Besonderen Wert legt die Ausstellung auf Picasso und Miro. Letzteren mag ich sehr, weswegen ich hocherfreut über die große Auswahl an Werken von ihm war. Die Werke aus den verschiedenen Schaffensperioden von Munch und Monet ließen einen diese auch neben dem Schrei oder Wasserlilien erfahren und gaben mir einen vollkommen neuen Blick auf beide Künstler. Die Kuratoren haben sich bei der Anordnung der Werke hier besondere Mühe gegeben und ein gutes Gespür für Zusammenhänge und Ähnlichkeiten bewiesen. Vollkommen weg vom Thema endete dieser Abend mit einem Pouletschnitzel und frühem ins Bett gehen.

Am Donnerstag begab ich mich zuerst in die zoologische Sammlung der Uni Zürich. Hier kann man eine Unmenge an Präperaten diverser Tierarten aus der ganzen Welt bestaunen. Klar, dass mich hierbei die Vögel anlockten, um meine ornithologischen Kenntnisse wieder einmal zu testen. Aber auch einige Präsentationen der Tiere, die in Zürich leben, und wie sie sich in Zürich verhalten, waren interessant. Das Museum ist sehr modern gestaltet und für jede Altersgruppe sehr gut zu erleben. Der Rest des Tages hielt sich eher in den Shops der Stadt auf. Nachdem wir im Freitag Tower die größte Auswahl an Freitag Produkten ever bewundert hatten, zog es uns zum Viadukt, wo ich mir prompt eine neue Fahrradklingel kaufte, die mit ihrem Messing einen enorm langanhaltenden Klang hat. Weiterhin checkten wir kurz das alternative Restaurant/Bar „Les Halles“ aus, welches auf jeden Fall auf einer Zürich Tour dabei sein sollte. Direkt daneben befindet sich der Schiffbau, in dessen Bauch ein Theater und eine Menge interessanter Architektur stecken.

Am Abend genossen wir eine spannende Arbeitsaufgabe im Labor von Annett. Nachdem die Aufgabe erfüllt war gönnten wir uns einen Wein (St Emilion aus Bordeaux mitgebracht), Käse und Weintrauben im Labor. Danach gingen wir wieder ins Spheres um dieses Mal das Fragenbuch zu dritt zu erörtern. Auf jeden Fall ein sehr schöner Abend in dieser doch so verregneten Stadt.

Der Zoo Zürich lud uns am Freitag ein. Hier begeisterten wir uns besonders für die Pinguinparade. Hierbei laufen die Kaiserpinguine „getrieben“ von Kindern einige hundert Meter durch den Zoo, wobei man sie beinahe hautnah erleben kann. Anmerken kann man im Züricher Zoo auch die großzügig gestaltete Tropenhalle, in welcher man herrvorragend speisen kann. Die Zwergnilpferde sind in Kombination mit dem Todesvogel auch sehr interessant. Der Todesvogel war für uns der Schuhschnabel, welcher den ganzen Tag böse drein blickend in seinem Gehege steht und kaum den Kopf bewegt.

Am Abend gönnten wir uns einen Vortrag der Schweizerischen Gesellschaft für Psychoanalyse, die Dr Thomas Hartung und Dr Michael Steinbrecher zu einer anregenden Präsentation über „Sex und Narzismus“ geladen hatte. Anhand eines Fallbeispiels versuchten die beiden Wissenschaftler die Psychoanalyse eines Patienten mit einem narzistischen Modell zu verbinden. Während die Theorie sehr trocken war, bot das Fallbeispiel einigen Diskussionsstoff. Noch mehr Diskussionstoff brachte uns danach die Diskussion über die Interprettation des Falls durch die beiden Psychologen, welche doch einige Lücken und Fragen aufwarf. Die Diskussion wurde im „El lokal“ geführt. Dieser Piratenschuppen ist in einem echten Schuppen untergebracht und es ist ein wenig schwierig an einem Freitagabend dort noch einen Platz zu finden. Die Einrichtung ist rustikal jedoch ihr ist eine lange Planung und viel Liebe für’s Detail anzusehen. Das Lokal erstreckt sich über zwei Etagen und ist nicht etwa als kleine Hafenbar zu verstehen. Hierbei muss man gesondert bemerken, dass im ZVV 5 CHF Nachtzuschlag anfallen, die durchaus kein kleiner Betrag sind, nur weil man nach ein Uhr den ÖPNV benutzt.

Für den Samstag hatten wir rechtzeitig Sparbilette der SBB gebucht, um mit dem Zug nach Basel zu fahren. In Basel machten wir zuerst einen kleinen Stadtrundgang. In der Elisabethkirche begannen wir diesen. Fortgesetzt wurde er am Fasnachtsbrunnen von Tin Guely wonach es direkt ins Schweizer Architekturmuseum ging. Im Museum gab es eine Ausstelllung über zionistische Architektur zu sehen. Das Wort Brutalismus zeigte sich hierbei als besonders einprägsam. Es beschreibt eine Art Architektur, bei der massive Betonklötzer entstehen, die eher wie fensterlose Bunker wirken, als Gebäude darzustellen. Im oberen Geschoss des Museums gab es von einem türkischen Künstler das Werk Week zu sehen. Ein Lautsprecher, der in einem weißen Raum die Wochentage auf Englisch lautstark von sich gab. Ein Projekt, dass viele Gespräche auslöste, obwohl wir am Anfang wenig damit anzufangen wussten.

Der Rest des Tages beschränkte sich dann eher auf das Angucken von tollen Lebensmitteln. Vorerst betrachteten wir noch das rote Basler Rathaus von allen Seiten. Danach jedoch begannen wir im Globus die großartige Auswahl zu bestaunen. Weine, Käse, Traiterie, Limonaden, Schokolade und tausend weitere Produkte faszinierten uns. Um sich dann auch noch ein Produkt leisten zu können, begaben wir uns in die 3M Migros direkt in der Innenstadt. Ich probierte den neuesten Rivella Energy, der wenig nach Rivella schmeckt und mir deshalb nicht so gefiel.

Über das Basler Münster und dessen wunderschönen Kreuzgang gelangten wir auf die andere Rheinseite. In einem Trödelladen konnte Annett kostengünstig eine wunderbare weiße Freitaglaptoptasche in der richtigen Größe für ihr neues Gerät erwerben. Weiter ging die Shoppingreise im deutschen Lörrach. Hier konnten wir bei dm tausend schöne Sachen bekommen, die es in der Schweiz oder Frankreich nicht gibt. Genau so verhielt es sich auch mit der deutschen Migros (hier war einiges einfach nur viel billiger) oder mit einem Dönerladen. Schön ‚mal wieder in Deutschland gewesen zu sein. Back in Suisse wollten wir dann in die Bar Rouge auf dem Messeturm, bekamen hier allerdings keinen Sitzplatz mehr, weshalb wir auf das fumeuretnonfumeur in der Nähe des Marktplatzes auswichen. Hier war der Kaffee aber auch sehr sehr lecker.

Für die beiden Mädels ging es zurück nach Zürich, für mich weiter nach Bad Krozingen. Hier angekommen wurde ich von Martin und Vanessa in Empfang genommen und wir fuhren nach St. Ulrich um ein echtes deutsches Abendessen im Rössle zu genießen. Ich hatte Rindfleisch mit Meerettichsoße und Preißelbeeren. Ein Zwetschgensorbet zum Nachtisch rundete das ganze wunderbar ab. Um noch ein paar Drinks zu nehmen fuhren wir danach nach Freiburg in die CooCoo-Bar, die vielleicht wegen ihres Stammgastes Jogi Löw bekannt ist und auch in diesem Blog schon einmal auftauchte.

Sonntag, für mich heute, der Tag an dem ich das hier schreibe. Am Sonntag begann es mit Elendstourismus im Geotermie geplagten Staufen. Der Ort ist bekannt als Sitz eines der ältesten Adelsgeschlechter Deutschlands und kann mit wunderschönen Bauten in der Innenstadt glänzen. Leider sind diese durch eine Geotermiebohrung so stark in Mitleidenschaft gezogen, dass einige nicht mehr bewohnbar sind oder rohen in sich zusammen zu stürzen. In Bad Krozingen nahmen wir dann unser Frühstück bei Kaisers Backstube ein. Diese Idee haben an einem Sonntag morgen sehr viele Menschen. Jedoch ist das Ambiente sehr angenehm und deutsche Backwaren ja sehr lecker.

Das Mittagessen hat Martin spannend, fulminant und großartigst organisiert. Superlativ ist in diesem Fall sogar untertrieben. Er konnte uns zu einem speziellen Festpreis ein drei Sterne Michelin Restaurant in Illhaeusern buchen, die „L’Auberge de l’ill„. Unglaublich viele Kellner schwirrten um uns herum un beglückten uns nicht nur mit dem fantastischen Essen, sondern mit excellentem Service. Das Essen bestand aus fünf Gängen + zwei Begrüßungen + Café mit riesiger Schokoladenauswahl. Außerdem konnte man während des Essens noch zwei Störche und die schönen Winteransichten rund um das Restaurant genießen. Ein krönender Abschluss dieser Reise.

Zu einem kurzen Verdauungsspaziergang fuhren wir in den hübschen Ort Colmar. Er hat unglaublich viele kleine Fachwerkhäuser zu bieten, die einen in den Bann ziehen. Colmar ist ein sehr romantisches Fleckchen im Alsass. Der kleine Fluss, der die Innenstadt durchzieht, produziert wunderbare Ansichten und Terassen, die im Sommer sicher zum Verweilen einladen. Und soweit auch schon die Reise. Ich bin in diesem Moment ja schon wieder wohlbehalten in Bordeaux angekommen.

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